AMOK27 - Die Live-Lesung - WAS?

»Wir wissen nicht viel über den Vorfall. Es wurden Schüsse vom Eingang her gehört. Durch die Kameras wurde das Eindringen bemerkt. Panik brach schnell aus, legte sich aber auch erstaunlich schnell wieder. Momentan ist es ruhig. Augenzeugen, die wir befragen können, haben wir nicht. Über die Anzahl der Toten können wir nur spekulieren. Wir wissen nicht, wo die Eindringlinge sind. Und wir wissen nicht, wie viele es sind.«
Tom Kleist, Einsatzleiter, fiktiver Charakter aus AMOK27

Unter dem Eindruck diverser Amokläufe an Schulen und Universitäten in den Vereinigten Staaten entstanden vor rund zehn Jahren die ersten Gedanken und Textskizzen zu AMOK in ihrer ursprünglichen Fassung. Ein normaler Alltag irgendwo, an irgendeinem Ort, im Frieden sozusagen, gerät von einer Sekunde zur anderen in einen Zustand des Krieges. Damals war ein Amoklauf in einer Einkaufsgalerie hierzulande noch ein Gedankenspiel. Eine Sicht auf dieses Szenario konnte nicht ausreichend sein.

Es wurden 27 Sichtweisen: Sicherheitskräfte, Kundschaft, Angestellte finden sich plötzlich ohne Vorwarnung in einer Extremsituation wieder.

»Da war aber noch was. Ich hab da noch was gehört. Wenn nur das Rappeln von der Eismaschine nicht wär! Ein Knirschen? Ja, das metallische Knirschen! Diese Ärsche! Jemand hat das Gitter runtergelassen! Die haben den Bau dicht gemacht! Der wollte zwar weg, aber kam nicht mehr raus. Die haben den hier mit uns eingesperrt! Der ist hier drin! Ja, toll! Einfach toll! Klasse!«
Marko Stolberg, Eisverkäufer, fiktiver Charakter aus AMOK27

Das Szenario beschäftigt sich mit Opfern, Helfern und Rettern, ihren Erfahrungen, ihren Schrecken. Die Täter vernachlässigt es bewusst. Respekt vor denen, die dergleichen tatsächlich erleben mussten, stand bei der Entstehung des Ur-Textes (2009) über allem anderen. Entsprechend wurde bei der Live-Hörspielfassung (2010) verfahren. Zum Stand des Jahres 2017 haben Amokläufe und Anschläge auch hier in Deutschland in alltäglichen Situationen stattgefunden. Bedrohung wird inzwischen als Normalität aufgefasst. Eine zu laxe Opferfürsorge wird immer wieder beklagt. Ein Grund mehr, das Thema in einer neuen Fassung, AMOK27, noch einmal in den Fokus zu rücken. Und es, wie es schon mit der Ur-Fassung geschah, mit einer Live-Lesung zugunsten eines guten Zwecks, diesmal mit einer Spende für die Kölner Tafel, zu verbinden.

»Die Durchsage war eindeutig. Bleiben Sie in den Läden, schließen Sie ab. Bleiben Sie, wo Sie sind, bis Entwarnung gegeben wird. Und genau das machen wir auch. Genau das!«
Martin Würmersdorf, Optiker, fiktiver Charakter aus AMOK27

Noch mehr Infos auf der Facebook-Seite zur Veranstaltung: www.facebook.com/amok27.lesung.fuer.koelner.tafel